Schlau Schule

Junge Geflüchtete erfolgreich ausbilden – Lessons learned einer Kooperation zwischen SchlaU Übergang Schule-Beruf (ÜSB) und dem Stadtwerkeprojekt

Feb 28, 2019

Gemeinsam mit dem Stadtwerkeprojekt der Stadtwerke München (SWM) hat SchlaU-ÜSB vor fünf Jahren eine Kooperation begonnen, bei der die SWM-Auszubildenden Nachhilfe vom Team SchlaU ÜSB erhalten und dafür von der Arbeit freigestellt werden. Nun wurden die SWM-Ausbilder und Auszubildende befragt, u.a. ob die Nachhilfe aus Sicht der Ausbilder und auch der Auszubildenden deren jeweiligen Bedarfe erfüllt. Ziel der gemeinsamen Evaluation war, die Wirkungen des Angebots aus Sichtweise der beteiligten Auszubildenden und Ausbilder zu erfassen und entsprechende Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Lesen Sie weiter für die Ergebnisse und Informationen zum Ausbilderhandbuch. 

SchlaU Übergang Schule-Beruf (ÜSB) bietet aktuellen wie ehemaligen SchlaU-Schüler*innen ein umfassendes Angebot für den Übergang von der Schule in den Beruf, begonnen bei der Berufsorientierung, über Ausbildungsvorbereitung bis hin zur schulischen und psychosozialen Nachbetreuung nach dem Schulabschluss. Ein wesentlicher Bereich ist dabei die Ausbildungsbegleitung, die überwiegend in Form von individueller Nachhilfe stattfindet.

Seit 30 Jahren bilden die Stadtwerke München GmbH (SWM) mit dem Stadtwerkeprojekt sozial benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene vornehmlich zu Industriemechaniker*innen aus, die während der Ausbildung von einer Sozialpädagogin psychosozial unterstützt werden. Seit rund sechs Jahren ist die Ausbildung junger Geflüchteter ein Thema, mit dem sich das Stadtwerkeprojekt intensiv auseinandersetzt. Schon früh wurde von Seiten der Ausbilder der Bedarf einer zusätzlichen Nachhilfe erkannt, seit inzwischen fünf Jahren stellen die SWM daher  ihre Auszubildenen aus dem Stadtwerkeprojekt für die wöchentliche Nachhilfe bei SchlaU ÜSB frei.

Das Ziel der gemeinsamen Evaluation war, die Wirkungen des Angebots aus Sichtweise der beteiligten Auszubildenden und Ausbilder zu erfassen und entsprechende Handlungsempfehlungen für eine „bessere Praxis“ im Sinne einer qualitätsgesicherten Weiterentwicklung des Programms abzuleiten. Darauf aufbauend wurde ein Erfahrungsbericht mit übertragbaren Handlungsempfehlungen für Ausbilder*innen junger Geflüchteter in Berufen der IHK formuliert und im AusbilderHandbuch publiziert.

Im Rahmen der Evaluation wurden Workshops mit den aktuellen und ehemaligen Prorgammteilnehmer*innen durchgeführt, sowie Einzelinterviews mit den Ausbildern geführt.

Die erste Antwort auf die Frage nach den Schwierigkeiten in der Ausbildung war stets die gleiche: „Die Sprache!“ Sowohl die Ausbilder, als auch die ehemaligen sowie die aktuellen Azubis nannten zunächst die Sprache als größte Herausforderung. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der sich herauskristallisierte, waren die fachlichen Anforderungen, die insbesondere bei Ausbildungen wie z.B. Industriemechaniker sehr anspruchsvoll sind. Neben den Schwierigkeiten im Betrieb und in der Berufsschule sehen sich die befragten jungen Geflüchteten auch besonderen sozialen Rahmenbedingungen und psychischen Belastungen ausgesetzt, die teilweise auf ihrem individuellen rechtlichen Aufenthaltsstatus, auf die Erlebnisse während der Flucht und in ihren Heimatländern, aber auch auf ihre individuelle intrapsychische Reaktion zurückzuführen sind.

Bei der Nachhilfe von SchlaU ÜSB handelt es sich um ein sprachliches und fachliches Lernen in einer Gruppe. Insbesondere wird das „Lernen lernen“ vermittelt. Eine große Rolle spielt außerdem die Pädagogik der Anerkennung. Diese setzt entscheidend auf Beziehungsarbeit zwischen Pädagoginnen und Schüler*innen. Die Nachhilfe findet in einem kleinen Rahmen statt, sodass die Azubis auch voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen und motivieren.

Die Wirkung des Nachhilfe-Angebots lässt sich auf Basis der Gespräche sowohl mit den Ausbildern als auch mit den Auszubildenden einschätzen. Die Ausbilder hatte alle den Eindruck, dass die Azubis das Angebot gerne wahrnehmen und motivierter sind. Weiterhin wurde die Nachhilfe als ein entscheidender Gelingensfaktor zum Bestehen der Prüfungen beschrieben.

Ein Wunsch, den sowohl Ausbilder und wie Auszubildenden äußerten war, noch mehr Deutschuntericht zu integrieren. Die Anregung, den Unterricht durch bedarfsorientierte Deutschübungen und explizite Übungen zum Fachwortschatz zu erweitern, wurde umgesetzt und ist inzwischen fester Bestandteil der Nachhilfe.

Weiterhin wurde angeregt, Präsentationen als Vorbereitung für das Fachgespräch zu üben, um ein sicheres Auftreten zu stärken. Eine andere Rückmeldung der ehemaligen Teilnehmer war, dass sie sich mehr Fachkompetenz im Unterricht gewünscht hätten. Auch aus diesem Feedback wurde ein Bedarf deutlich, dem wir nachgehen werden.

Desweiteren wurde ein jährliches Austauschtreffen für die Ausbilder und die ÜSB-Lehrkraft eingeführt – als fester Rahmen, um sich zu Fragen z.B. zum Fachspracherwerb austauschen zu können.

Zusammenfassend lässt sich der Beitrag zum Ausbildungserfolg vermutlich am ehesten von den ehemaligen Azubis beschreiben, die die Abschlussprüfung ausnahmslos bestanden haben und von den Stadtwerken übernommen wurden: Die Nachhilfe war ein Raum zum Lernen, geprägt durch Hilfsbereitschaft und eine gewisse Strenge zugleich.

Publikationen dieser Evaluation:

Wagner, Marie (2018): Junge Geflüchtete erfolgreich ausbilden. Lessons learned einer Kooperation zwischen SchlaU Übergang Schule-Beruf und dem Stadtwerkeprojekt, in: DIHK-Gesellschaft für Berufliche Bildung (Hrsg.): Ausbilderhandbuch, Bielefeld.

Wagner, Marie (2019): Junge Geflüchtete erfolgreich ausbilden. Lessons learned einer Kooperation zwischen SchlaU Übergang Schule-Beruf und dem Stadtwerkeprojekt. In: Dietl, Stefan F./Schmidt, Hermann/Weiß, Reinhold/Wittwer, Wolfgang (Hrsg.): PersonalAusbilden – Das aktuelle Nachschlagewerk für Praktiker, Köln.

Die Ergebnisse wurden ebenfalls für das Ausbilderhandbuch der DIHK-Gesellschaft für Berufliche Bildung - Organisation zur Förderung der IHK-Weiterbildung mbH (Herausgeber) verwertet. 

Haben Sie Interesse an dem Ausbilderhandbuch? Hier finden Sie weitere Informationen und können das Ausbilderhandbuch bestellen:

https://www.dihk-bildungs-gmbh.de/news/2016/tipps-und-tricks-fuer-ausbilder-und-ausbildende/

https://www.wbv.de/shop/themenbereiche/berufliche-weiterbildung/shop/detail/name/_/0/1/a---100/nb/0/category/792.html

 

 

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