Schlau Schule

Schule ist und muss ein „sicherer Ort“ bleiben!

Jun 1, 2017

Wir sind schockiert über die Vorfälle am gestrigen Mittwoch in einer Nürnberger Berufsschule: Gewaltsam entferte die Polizei einen afghanischen Schüler aus der Schulklasse, um dessen Abschiebung vorzubereiten (siehe Süddeutsche). „Schule ist und muss ein sicherer Ort sein! Wenn Flüchtlinge jederzeit im Unterricht von der Polizei abgeholt werden können, kann man als Schule gleich einpacken“, sagt der Schulgründer Michael Stenger.

 

Aktuell werden rund 300 Flüchtlinge an der SchlaU-Schule auf den einfachen oder qualifizierenden Mittelschulabschluss vorbereitet. Innerhalb von nur durchschnittlich zwei bis drei Jahren lernen die SchülerInnen Deutsch und das sonstige prüfungsrelevante Wissen. Eine beachtliche Leistung! Eines der langjährigen Erfolgsrezepte der SchlaU-Schule ist der Gedanke des „sicheren Ortes“: Wenn die Schulglocke läutet, ist Unterricht angesagt. Mehr nicht. Angehörige in Kriegsgebieten, ein oft prekärer Aufenthaltsstatus, Stress in den Unterkünften und sonstige Probleme bleiben in diesem Moment – soweit irgend möglich – außerhalb des Klassenzimmers. Gewachsene Vertrauensbeziehungen zu den Lehrkräften, sozialpädagogische und psychologische Begleitung sollen das ermöglichen. Und eben die Gewissheit: Hier bin ich sicher, man kümmert sich um mich und mein Fleiß wird belohnt!

Diese Sicherheit ist mit dem gestrigen Tag ins Wanken geraten. Es ist eine Sache, Menschen aus Afghanistan abzuschieben. Eine Sache, welche die SchlaU-Schule wie auch u.a. der UNHCR, Pro Asyl, Amnesty International oder der Jesuitische Flüchtlingsdienst strikt ablehnt. Aber es ist noch einmal eine ganz andere Sache, diese Abschiebungen derart brutal und ohne jegliche Vorwarnung durchzuführen.

„Nicht nur der betroffene Schüler wird komplett verunsichert. Auch jene, die im Klassenzimmer daneben sitzen oder später davon in den sozialen Medien erfahren, haben fortan Angst – im schlimmsten Fall so sehr, dass man besser gar nicht mehr in den Unterricht kommt“, gibt unser politischer Grundsatzreferent Christian Stegmüller zu bedenken. Das unbedachte und kopflose Vorgehen der verantwortlichen Vollzugsbehörden führt dazu, dass die bisherigen Integrationsleistungen – sowohl der Flüchtlinge selbst wie auch der Zivilgesellschaft – von heute auf morgen zunichte gemacht werden. „Auf diese Weise zerstört Bayern Schritt für Schritt sein ansonsten so erfolgreiches und deutschlandweit vorbildliches Berufsschulsystem für Flüchtlinge“, fügt Michael Stenger hinzu.

Der Trägerkreis Junge Flüchtlinge e.V. fordert deshalb:

  • Schule ist und muss ein „sicherer Ort“ bleiben! Keine Abschiebungen von Menschen, die eine Schule besuchen!
  • Keine Abschiebungen nach Afghanistan: Afghanistan ist nicht sicher – auch nicht in einzelnen Landesteilen. Das Selbstmordattentat in Kabul vor wenigen Tagen mit über 90 Toten und mehreren Hundert Verletzten verdeutlicht das eindrücklich!

 

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